Gymnasiasten erleben Baukultur zwischen Wasserkraft und Denkmalpflege

Ein halbes Jahr lang setzte sich der Kunstkurs der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Zwiesel intensiv mit dem Thema Architektur auseinander. Neben der Analyse bedeutender Bauwerke und architektonischer Strömungen stand dabei insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Architektur auf gesellschaftliche, technische und ökologische Herausforderungen reagiert. Zum Abschluss des Schuljahres boten zwei Baustellenbegehungen mit Kunstlehrerin Usija Wallner die Gelegenheit, Architektur unmittelbar vor Ort zu erleben und theoretische Unterrichtsinhalte mit der Baupraxis zu verbinden.

Architektur, Ingenieurwesen und Umweltplanung

Den Auftakt bildete die Besichtigung des im Stadtpark Zwiesel entstehenden Elektrizitätswerks Zwiesel. Dipl.-Ing. Christoph Pfeffer vom Ingenieurbüro Pfeffer führte den Kunstkurs fachkundig durch die Baustelle und erläuterte anschaulich die planerischen und technischen Zusammenhänge des Projekts. Dabei wurde deutlich, dass Architektur weit über das klassische Verständnis von Gebäuden hinausgeht. Die Gestaltung der Flussläufe, die Einbindung der wasserbaulichen Maßnahmen in den Landschaftsraum, die massive Betonkonstruktion der Turbinenanlage sowie das schmuckhaft gestaltete Kraftwerksgebäude bilden gemeinsam ein komplexes architektonisches Gesamtsystem. Die Schülerinnen und Schüler erhielten dabei nicht nur Einblicke in nachhaltige Energiegewinnung, sondern auch in die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architektur, Ingenieurwesen und Umweltplanung. Besonders bereichernd war der praxisnahe Einblick in das Berufsfeld des Umweltingenieurs.

Denkmalgerechte Sanierung des Gistl-Saales

Eine Woche später führte eine weitere Exkursion den Kunstkurs zur denkmalgeschützten Baustelle des Gistl-Saals in Frauenau. Dipl.-Ing. Esther Hofmann-Strahl vom Architekturbüro PPP Planungsgruppe GmbH Freyung stellte den Schülerinnen und Schülern die Gesamtanlage des ehemaligen Glashüttenbesitzers Isidor Gistl vor und erläuterte die besonderen Herausforderungen einer denkmalgerechten Sanierung. Ausgehend von der historischen Bausubstanz erklärte sie die planerischen Entscheidungen und restauratorischen Maßnahmen, die für den Erhalt des Gebäudes notwendig sind. Eindrucksvoll war insbesondere der Blick auf originale Strohmatten in den Decken- und Wandbereichen, die derzeit von spezialisierten Kirchenrestauratoren sorgfältig instandgesetzt werden. Im noch unverkleideten Rohbau konnten die Schülerinnen und Schüler die feinen Proportionen und die konstruktive Klarheit des historischen Saales unmittelbar wahrnehmen. Trotz des Baustellenzustands war die hohe gestalterische Qualität des Raumes bereits deutlich spürbar.

Für die Schülerinnen und Schüler bilden solche außerschulischen Lernorte einen wertvollen Beitrag zur ästhetischen Bildung und fördern zugleich das Verständnis für Baukultur, Nachhaltigkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit unserer gebauten Umwelt.

(Usija Wallner)