Gymnasiasten genießen Wildniscamp
Ganz besondere Herbsttage konnten die Sechstklässler des Gymnasium Zwiesels im Wildniscamp des Nationalparks in Zwieslerwaldhaus verbringen. Vom 05. bis 14. Oktober genossen die Schüler der drei sechsten Klassen zusammen mit den begleitenden Lehrkräften und den Tutoren aus den 11. Klassen sowie den Waldführern des Nationalparks erlebnisreiche Tage mitten in der Natur.
Auszeit aus dem Luxus des Alltags
Schon das Schlafen in den Themenhütten des Wildniscamps war so ganz anders als zuhause. Der Lichtstern, das Wiesenbett, die Erdhöhle oder das Waldzelt bieten zwar keine Heizung und keinen Strom, aber dafür die Möglichkeit, die Natur vom Schlafsack aus zu beobachten, die Laute von Hirschkuh und Waldkauz wahrzunehmen oder beim Toilettengang im wahrsten Sinne des Wortes Fuchs und Hase zu begegnen. Gegen die schon recht beachtliche Kälte der Oktobernächte des Bayerwaldes haben Felle und Decken gute Dienste geleistet, sodass die Kinder sich auf ihren Nachtlagern wohlfühlen konnten und man zwischen den Geräuschen des Waldes auch noch recht lange das Ratschen und Lachen der Campbewohner hören konnte. Natürlich wurde dabei auch allen wieder bewusst, dass solche Annehmlichkeiten wie das Anknipsen des Nachttischlämpchens und das eigene warme Badezimmer ein ziemlicher Luxus sind, den wir sehr oft nicht mehr richtig schätzen. Nicht zuletzt bedeutete auch der Verzicht auf das Handy einen richtigen „Ausflug“ aus dem Alltag, wobei dann schnell festgestellt wurde, dass man ohne Smartphone viel mehr erleben kann.
Den Nationalpark mit allen Sinnen kennenlernen
Als Nationalparkschule ist es dem Gymnasium Zwiesel ein Anliegen, dass die Schüler im Laufe ihrer Schulzeit immer wieder in Kontakt mit dem Nationalpark und seinen Einrichtungen treten und auch dessen Konzept und die Philosophie kennenlernen. So stand am ersten Tag des Campaufenthalts eine Wanderung in das Urwaldgebiet am Falkenstein auf dem Programm. Dabei gab es viele interessante Informationen von den Waldführern, z. B. zur Borkenkäferproblematik, zur Tierwelt oder zum Einfluss des Klimas auf den Wald. Die Kinder hatten aber auch die Chance, die einzigartige Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. So durfte sich jedes Kind seinen eigenen Baum aussuchen und diesem dann mithilfe verschiedener Sinnesübungen auf ganz besondere Weise begegnen. Eine außergewöhnliche Erfahrung war auch der sogenannte „Stillegang“ durch den Wald, bei dem viele neue Geräusche erlauscht werden konnten.
Gemeinschaft und Kreativität
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen gemeinsamer Projekte. In Kleingruppen durfte aus Naturmaterialien Verschiedenes gebaut werden. Ziel war es, als Team eine Idee zu entwerfen, bei der Umsetzung gut zusammenzuarbeiten und zu entdecken, welche verschiedenen „Baustoffe“ der Wald zu bieten hat. Bei der anschließenden Projektpräsentation konnte dann z. B. das Traumhaus „Forestdream“, ein mittelalterliches Katapult oder ein ganzes Elfenwunderland bestaunt werden. Auch eine Hütte mit Barfußpfad wurde entworfen und in einer Klasse sogar ein Theater aufgeführt, bei dem es um das Kräftemessen zwischen Jäger Reh, Wildschwein und Wolf ging.
Alle Gruppen zeigten auf jeden Fall architektonisches Geschick und viel Kreativität und Fantasie. Daneben war an allen Tagen immer wieder Zeit, das weitläufige Campgelände zu genießen und als Klasse bei den verschiedenen Spielen noch stärker zusammenzuwachsen.
Zurück in die Zivilisation
Nach zwei Nächten im Wildniscamp hieß es dann auch schon wieder Abschiednehmen. Bei einer Reflexionsrunde wurde noch einmal an das Erlebte zurückgedacht und den Verantwortlichen des Camps, den Waldführern, den Tutoren und besonders Herrn Draxler, der jedes Jahr die Organisation des Angebots übernimmt, herzlich gedankt. Der rund einstündige Fußmarsch zum Bahnsteig nach Ludwigsthal war gleichzeitig wie ein Weg zurück in den normalen Alltag, allerdings mit vielen tollen Erfahrungen und Erinnerungen im Rucksack. Und auch wenn sich der Herbst mit Sonnenschein und 20 Grad, aber auch mit Nebel und Kälte in all seinen Facetten gezeigt hat, waren sich am Ende alle Klassen einig: Das Wildniscamp kann man nicht mit einem „normalen“ Schullandheim vergleichen und sollte man auf jeden Fall einmal erlebt haben!
(Elisabeth Raith)